VST Instrument: Realistische Schlagzeugsounds / Toontrack ezDrummer 2 Bundle

Vorwort

Das VST Instrument „ezDrummer 2“ von Toontrack erschien im Mai 2014 als Nachfolger von ezDrummer. Der Hersteller Toontrack, welcher ursprünglich von dem Songwriter Mattias Eklund verkörpert wurde, startete mit der Entwicklung vor 15 Jahren als Experiment mit dem Ziel ein bedienbares Schlagzeuginstrument mit realistischen Sounds für Liedermacher zu erschaffen. Das erste Produkt war die Schlagzeugbibliothek „Drumkit from hell“ und erlangte in kurzer Zeit große Bekanntheit im produzierendem Musikgewerbe. Toontrack besteht mittlerweile aus weltweit 30 Mitarbeitern und bietet über 32 Erweiterungsbibliotheken (EZX) für ezDrummer 1 und 2. Die Erweiterungen decken die Bedürfnisse sämtlicher Musikgenres ab, wobei die Stärken von Toontracks Sample-Libraries eindeutig bei akustischen Schlaginstrumenten liegen.

Bezugsquelle: Boxed oder lieber als Downloadversion?

Da ich meine VST-Instrumente gerne im Schrank stehen habe und mir durch die Verpackung gerne den Besitz einer erstandenen Originalversion ins Gedächtnis rufe, kaufe ich meine Instrumentenbibliotheken i.d.R. nur mit Originalverpackung als boxed Version. Obwohl wir hier in Fulda einen guten Musikfachmarkt haben, sind diese Bibliotheken allerdings auf eine sehr spezielle Zielgruppe zugeschnitten. Fündig wird man bei notorischen Versandhändlern wie Thomann oder Music Store, die die boxed Version zum Versand anbieten.

Nun habe ich das ezDrummer 2 Bundle (boxed) bei Thomann für 199 EUR mit zwei kostenlosen Erweiterungen erstanden, die man sich nach der Installation frei aussuchen darf. Die Bestellung bei Thomann dauerte ca. 4-5 Tage, da man auf solche Ideen ja meistens an Wochenenden kommt, an denen man mal Zeit hat seinen Hobbys nachzugehen. Wer also sofort loslegen will, kann sich zwar für die Downloadversion entscheiden, die FAQ von Toontrack verneint allerdings die Frage der Nachbestellung einer boxed Version, wenn die Downloadversion bereits erstanden wurde.

Und wenn dann der Postmann mal kommt sieht die Verpackungsvariante so aus:

Meine Verpackung war lieder nicht ganz einwandfrei, wie man auf der Foto erkennen kann. An den Ecken befanden sich direkt nach dem Auspacken bereits Eselsohren, was vermutlich dem mangelndem Wertempfinden der Verpackungsfachkraft bei Thomann zuzuschreiben ist. Mit dem Leitspruch „Meet your new Drummer“ ist die Box auch etwas klein geraden, passt von der Höhe her aber in einen DVD Schrank, wenn dieser 1 cm Luft nach oben bietet. Die Verpackung ist nämlich 1 cm höher als eine normale DVD.

Wer jetzt einen optischen Datenträger im Verpackungsinhalt erwartet wird leider enttäuscht. Eine kleine Überraschung, die man beim Lesen der ersten Zeile auf der Rückseite erfährt ist nämlich, dass sich in der Box lediglich ein Zettel mit Codes für ezDrummer 2 und die erstandenen zwei Expansion Libraries befindet. Das ist schon enttäuschend, da selbst der kostenlose DrumMic’A von Sennheiser eine gepresste DVD bei der Bestellversion für Lau beiliegen hat.

Auf der Rückseite wird die Auslegung für kreative Songwriter-Zwecke mit intuitiven, bahnbrechenden Soundgestaltungsmöglichkeiten angepriesen. Außerdem könnte man komplette Drumtracks erstellen ohne die Notwendigkeit das Tool zu verlassen. Damit ist vermutlich ein Mini-Sequencer für MIDI-Noten gemeint, wie der Screenshot suggeriert, womit das Programm im Stand-Alone-Modus betrieben werden kann. Hierfür gibt es die Möglichkeit aus vordefinierten MIDI-Grooves, welche man per Drag&Drop auf eine Spur zieht, Komplettsongs zu komponieren.

Auf der linken Innenseite, welche sich den enthaltenen Drum-Sounds widmet,  ist eine Abbildung des Tonstudios in London, wo die Drumsounds der Standardbibliotheken „Modern“ und „Vintage“ auf 7 verschiedenen Schlagzeugsets aufgenommen worden.

Schlagzeuge:

  • DW Collector’s Maple (Modern)
  • Yamaha 9000 (Modern)
  • Gretsch USA Custom (Modern)
  • Ludwig 1960s (Vintage)
  • Ludwig Vistalite (Vintage)
  • Sonor
  • Tama
  • Brady

Verwendete Studiokonsolen und Mischpulte:

  • Neve 88R (Modern)
  • EMI TG12345 (Modern)
  • REDD.51 (Vintage)

Zusätzlich sollen

  • 9 Snare Drums
  • 7 Bass Drums
  • 3 verschiedene Hi-Hat Sets
  • 10 verschiedene Crash-Becken
  • 3 verschiedene Ride-Becken
  • 10 weitere Schlaginstrumente

enthalten sein.

Die rechte Innenseite soll die Funktionen, die das Songwriting/Liedermachen unterstützen, besonders hervorheben.

Grooves für den eigenen Song finden:

Über den MIDI-Browser lassen sich von prominenten, professionellen Schlagzeugern voreingespielte Midi-Klötzchen zu Songs zusammenstückeln. Ich persönlich nutze diese Funktion recht wenig, da ich immer eine konkrete Vorstellung habe wie sich mein Schlagzeug an einer Stelle vom Song anhören soll. Außerdem gibt es eine „Tab2Find“ Funktion, bei der man durch Hämmern auf eine Taste anhand eines Algorithmus Vorschläge für ein passendes Groove-Klötzchen bekommt.

Vermenschlichung der Schlagzeugspur:

Ein ezSchlagzeuger hat bei den Midi Grooves eine führende Hand, welche bei ezDrummer als „Power Hand“ bezeichnet wird. Wenn man vordefinierte Grooves aus dem Midi-Sortiment auswählt, lässt sich die Power Hand auf ein anderes Instrument umstellen, was z.B. bei einem treibendem Hi-Hat, zu einem treibendem Ride-Beat umgestellt werden kann. Diese Funktion scheint daher auch nur bei vordefinierten MIDI-Grooves sinnvoll.

Es gibt einen Amount-Parameter, welcher die Wahrscheinlichkeit berechnet, mit der ein echter Schlagzeuger Noten hinzufügen oder weglassen würde.

Midi-Grooves arrangieren für einen kompletten Song:

Die vordefinierten Midi Grooves lassen sich per Drag&Drop auf eine Spur (also einen Mini Sequencer) ziehen und arrangieren. Wenn man ein e-Schlagzeug hat, können eigene Songs aufgenommen, geschnitten und quantisiert werden.  Der Komplettmix lässt sich wieder für eine DAW entweder als MIDI exportieren oder per Drag&Drop direkt auf eine Spur der DAW gezogen werden. Alternativ lässt sich die Schlagzeugspur direkt als Audio exportieren.

Gestaltung der Soundausgabe:

ezDrummer 2 hat eine eigene Mixeroberfläche mit diversen Effekten, die für jedes Set vordefiniert werden. So hat z.B. das Kit „Disco Pop“ einen Equalizer für Kick, Snare und Toms, welcher sich über die Drehknöpfe auf der Mixeroberfläche bedienen lässt. Das Kit „Basic“ (Modern) hat überhaupt keinen Equalizer, dafür aber Reverb, Compressor, Pitch für Becken und Mikrofoneinstellungen.

Über die Auswahl der Schlaginstrumente lassen sich bis zu einem bestimmten Maß auch gecustomizte Schlagzeugkits erstellen.

Auf diesem Bild sieht man nochmal den Verpackungsinhalt – eine CD/DVD ist nicht vorhanden. Lediglich ein eingeschweister Zettel, auf dessen Rückseite sich 3 Codes für das Bundle befindet sind vorhanden.

Systemanforderungen

Laut Verpackungsrückseite:

  • Windows 7 oder neuer
  • … entweder Pentium 4 oder Athlon Prozessor mit 2 GB RAM
  • … oder Mac OS 10.6 oder neuer, Intel-basierter Mac mit 2 GB RAM
  • Mindestens 4 GB freier Festplattenplatz
  • Professionelles, ASIO-fähiges Audio Interface empfohlen
  • eine DAW wie Cubase, Reaper, Pro Tools, Logic, Garageband usw… die VST-, AAX-, Audio Unit- oder RTAS- Schnittstellen unterstützt ist empfohlen, aber der Stand-Alone Betrieb ohne DAW ist durch den integrierten Mini-Sequencer möglich
  • Es wird darauf hingewiesen, das man außerdem die Systemanforderungen jeder EZX Erweiterung beachten sollte.

Ich empfehle für VST Instrumente generell eine SSD Platte, das steht aber nicht auf der Verpackungsrückseite :-).

Außerdem: Ein Internetzugang ist notwendig, da die komplette Software bei Toontrack vorher runtergeladen werden muss.

Test: ezDrummer 2 mit EZX Metal Machine

Genug gefaselt, ich habe mir als erste Extension die Erweiterung „Metal Machine“ ausgesucht und dabei folgendes Ergebnis erzielt:

Fazit:

Ich persönlich finde, das ezDrummer 2 eine sehr gelungene Schlagzeugbibliothek ist. Die Vielfalt, Dynamik, die vorgefertigten MIDI-Grooves und der Sound, sowie die zahlreichen Making-Of-Videos im Internet haben mein Denken in der Richtung sogar manipuliert, dass es die Beste Schlagzeugbibliothek ist. Zu Zeiten als ich noch kein Geld hatte mir solche Plug-Ins zu leisten, habe ich immer von dem Drumkit from Hell von Toontrack geträumt. Heute gibt es aber viel coolere Toontrack-Erweiterungen, die viel besser klingen.

Für Leute, die kein Geld ausgeben können oder wollen, bieten sich für realistische Schlagzeugsounds zwei weitere tolle kostenlose VST Instrumente an:

http://www.powerdrumkit.de/

Das Powerdrumkit, welches mal ursprünglich Geld kostete, ist das Schlagzeug, welches ich bei Exhaust Fire verwendet habe: http://www.capri-soft.de/blog/?p=1825

http://de-de.sennheiser.com/drummica (Kontakt 5 Player benötigt)

Mit DrumMic’a hab ich selber noch nichts komponiert, obwohl es sehr vielversprechend aussieht. Außerdem erhält man auf Wunsch eine CD von Sennheiser, was bei Toontrack trotz des Preises von ein paar hundert EUR nicht der Fall ist :-).

Über Björn Karpenstein

Diplom Informatiker, Programmierer, Musikbegeisterter
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