Bei Popmusik ist es nicht die Musik selber, mit der wir ein positives Empfinden / Identifikation aufbauen. Die Geschichte und das Image der Band / des Musikers beeinflussen maßgeblich die Musikbewertung.

Intention

Es gibt heute sehr viel richtig gute und anspruchsvolle Musik, die professionell und mit viel Herzblut produziert wird und dennoch wird vielen Titeln niemals Gehör geschenkt. Warum ist das so? Nachdem ich nun einige Studien und Artikel über Musik-Image gelesen habe, möchte ich in diesem Blog-Eintrag meine persönlichen Gedanken und Interpretation niederschreiben.

Analyse

Warum gibt es anspruchsvolle, perfekt aufgenommene und abgemischte Musik, die niemals gehört wird und weitere primitive Werke, welche die deutschen Charts stürmen?

Um dies zu beleuchten kann man sich vor Augen führen, dass unkomplizierte, weniger anspruchsvolle Musik für das untrainierte Gehör eingängiger ist, als komplexe und durchdachte Harmonie-Strukturen. Man könnte nun meinen, dass ein ausgebildeter Musiker einem 3 bis 4 Akkordschema Folge leisten muss um eingängige Songs zu schreiben. Ist es wirklich so einfach?

Die Antwort ist: „Nein!“ – wieso erleben wir zur Zeit eine Gangster-Rap/Gangster-Hip Hop Herrschaft in den deutschen Charts wenn es wirklich um Harmonien ginge? Könnte man sich nicht einfach eine Loopstation kaufen und fette gesamplete Beats in einen Lautheits-maximierenden Limiter drücken, während man ein bisschen rappt und die Sprachmelodie mit einer Autotune-gefütterte Schlangenbeschwörermusik (oder orientalischem Gedudel) belegt, so wie es in den deutschen Charts z.Zt. Gang und gebe ist?

Die Antwort ist: Nein!“. Es ist nicht alleine die Fähigkeit des guten Musikers, sich für niedere Zwecke zu prostituieren, es ist viel mehr die Art wie er seine Geschichte vermarktet. Über die Geschichte des Musikers baut das Publikum eine Identifikation zu ihm auf. Wenn man über die eigenen Idole nachdenkt, so hatte jedes dieser Idole eine ganz besondere Geschichte die den Zuhörer fasziniert hat und zu der er eine Bindung aufgebaut hat.

Denken wir mal über einige 80er/90er Klassiker nach …

  • Bob Marly
  • Jimi Hendrix
  • Queen
  • …. oder wie wärs mit Böhse Onkelz…?

Jeder der oben genannten Chart-Stars verkörpert eine ganz spezielle Geschichte die das Publikum angesprochen hat. Bei den modernen Gangstar-Rap/Hip Hop-Stars ist das ähnlich …

  • Capital Bra
  • Bushido
  • Kollegah …

Die jüngeren Künstler sind Personen, die dem älteren Publikum nichts sagen. Sie haben in der Regel keinerlei instrumentelle Kenntnisse sondern beherrschen lediglich ihre Rap-Betonung und den Rythmus (über „gute“ Texte mag man streiten).

Hauptaufgabe von Musiker-Images

Viele der nachfolgend genannten Hauptaufgaben beziehen sich hauptsächlich auf Jugendliche, da bei diesen die Musik maßgeblich zur Identitätsfindung beiträgt. Menschen ab einem Alter von 31 Jahren hingegen versperren sich oftmals neuer Musik.

  • Soziale Identität / Identitätsbildung
    • Die Musik hilft die eigene Identität auszudrücken
  • Selbstkategorisierung / Abgrenzung
    • Individualität zeigen
  • Gruppenprozesse
    • Abgrenzung zu anderen Gruppen
    • Gruppenzugehörigkeit
    • Gruppennorm
    • Gruppenzwang

Fazit

Wie wir damals eine Bindung zu unseren Idolen aufgebaut haben, bauen vielen Menschen auch nur eine Bindung zu Musik auf, indem sie durch die Geschichte des Musikers oder das Musiker-Image beeinflusst werden. Ein Pop-Musiker ohne Geschichte wird in den seltensten Fällen Erfolg haben, weil er seinem Publikum nicht die Möglichkeit zum Aufbau einer Identifikation oder Bindung ermöglicht.

Über Björn Karpenstein

Diplom Informatiker, Programmierer, Musikbegeisterter
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